Die Plattform-Frage wird fast immer als Lizenz-Frage gestellt. Was kostet Shopify im Monat, ist Shopware nicht kostenlos, lohnt sich Magento noch. Diese Zahlen sind die kleinste und am leichtesten vergleichbare Position, und genau deshalb führen sie in die Irre. Die Lizenz ist bei allen drei Systemen der Teil der Rechnung, der am wenigsten über die tatsächlichen Kosten aussagt.
Total Cost of Ownership heißt: Lizenz plus Hosting plus Entwicklung plus Wartung plus Sicherheits-Updates plus der Aufwand, den DACH-spezifische Pflichten erzeugen, über die Laufzeit gerechnet, die ein Shop realistisch läuft. Fünf Jahre sind ein sinnvoller Horizont, weil ein Replatforming seltener kommt und die Fixkosten sich erst über diese Zeit fair verteilen. Dieser Artikel rechnet die Positionen durch, die in den Preistabellen fehlen, und ordnet zu, für welche Situation welche Plattform trägt.
Warum die Lizenz der irreführendste Posten ist
Bei Shopify ist die Lizenz die sichtbarste Zahl, weil sie monatlich abgebucht wird und alles Wesentliche an Hosting, Sicherheit und Basis-Funktion enthält. Bei Shopware und Magento ist die Lizenz die trügerischste Zahl, weil sie in der Community- beziehungsweise Open-Source-Variante bei null steht und der eigentliche Aufwand woanders anfällt.
Ein System, das nichts kostet, kostet in der Regel am meisten Aufwand. Open-Source-Shops brauchen einen Hoster, einen Entwickler oder eine Agentur für Updates, ein Konzept für Sicherheits-Patches und jemanden, der bei einem Ausfall erreichbar ist. Diese Posten stehen in keiner Preistabelle, summieren sich aber über fünf Jahre zu dem Betrag, der die Plattform-Wahl tatsächlich entscheidet. Wer nur die Lizenz vergleicht, vergleicht die Spitze von drei sehr unterschiedlich geformten Eisbergen.
Shopify, der Preis der Geschlossenheit
Shopify verkauft Geschlossenheit als Produkt. Sie mieten einen gehosteten Shop, in dem Hosting, Skalierung, Sicherheits-Updates, PCI-Konformität und Ausfallsicherheit im Preis enthalten sind. Die öffentlichen Shopify-Preise für Deutschland staffeln sich in Basic ab 36 Euro, den mittleren Plan ab 105 Euro, Advanced ab 384 Euro und Shopify Plus ab rund 2.100 Euro im Monat, jeweils günstiger bei Jahres-Zahlung.
Dazu kommt eine Position, die viele beim ersten Rechnen übersehen: Transaktions-Gebühren, wenn Sie einen anderen Zahlungsanbieter als Shopify Payments nutzen. Dieser Aufschlag liegt je nach Plan zwischen 2 Prozent im Basic-Tarif und 0,2 Prozent bei Plus. Wer mit einem externen Payment-Provider arbeitet und relevante Umsätze fährt, für den kann dieser Aufschlag über die Laufzeit die Lizenz-Ersparnis eines niedrigeren Plans auffressen. Das ist der versteckteste Posten im Shopify-Modell.
Der Gegenwert der Geschlossenheit ist ein sehr niedriger Betriebs-Aufwand. Es gibt keine Server, die jemand patchen muss, kein Framework, das bei einem Update bricht, keine nächtlichen Sicherheits-Lücken, die den Shop offline nehmen. Der Preis dafür ist die Grenze der Anpassbarkeit: Was Shopify nicht vorsieht, lässt sich nur über Apps oder, bei Plus, über tiefere Eingriffe wie Functions und Checkout-Components lösen. Warum dieser Tausch für viele DACH-Mittelständler aufgeht, haben wir in Warum Shopify für den DACH-Mittelstand im Detail beschrieben.
Shopware, was im Markt sichtbar ist
Shopware ist die naheliegende DACH-Alternative, weil der Anbieter aus Deutschland kommt, die Dokumentation deutsch ist und das System auf deutsche Handels-Anforderungen zugeschnitten wirkt. Öffentlich sichtbar ist ein gestaffeltes Modell aus einer kostenlosen Community Edition und den kommerziellen Editionen Rise, Evolve und Beyond, deren Einstiegspreise laut Shopwares Preisseite bei 600 beziehungsweise 2.400 Euro im Monat beginnen und nach Edition, nicht nach Umsatz, gestaffelt sind.
Der Punkt, der die Community-Rechnung verändert hat, ist die Fair-Usage-Grenze. Nach öffentlicher Kommunikation von Shopware gilt die kostenlose Community Edition seit 2025 nur noch bis zu einer Umsatz-Schwelle im Bereich von einer Million Euro Jahres-Umsatz; darüber ist eine kommerzielle Edition vorgesehen. Für einen wachsenden Mittelständler heißt das: Die kostenlose Variante ist eine Einstiegs-Stufe, keine Dauer-Lösung. Wer über diese Schwelle wächst, plant faktisch von Anfang an mit Lizenz-Kosten, die dann in einer ähnlichen Größenordnung wie ein höherer Shopify-Plan liegen können.
Was wir über Shopware nicht behaupten, ist Betriebs-Erfahrung. Wie sich Updates in der Praxis verhalten, wie stabil größere Migrationen laufen und wie hoch der reale Wartungs-Aufwand ausfällt, wissen wir nicht firsthand und geben es deshalb nicht als Erfahrungs-Wert aus. Wer Shopware ernsthaft prüft, sollte mit einer Agentur sprechen, die es tatsächlich betreibt, und die Betriebs-Kosten dort erfragen, nicht aus einer Preistabelle ableiten.
Magento, das Ende der kostenlosen Illusion
Magento ist der Fall, an dem sich die Lizenz-Falle am klarsten zeigt. Magento Open Source ist lizenzkostenfrei, und trotzdem ist es über fünf Jahre gerechnet häufig die teuerste der drei Plattformen. Der Grund ist der Betrieb. Ein Magento-Shop braucht leistungsfähiges Hosting, regelmäßige Framework-Updates, Entwickler mit Magento-Kenntnis und ein aktives Sicherheits-Management. Das ist kein einmaliger Setup-Posten, sondern ein laufender vierstelliger Monats-Aufwand.
Dazu kommt eine harte Frist. Laut Adobe-Release-Übersicht (Adobe Commerce; die Open-Source-Linie läuft parallel mit denselben Versionsständen) endet der reguläre Support für die verbreitete Version 2.4.6 am 11. August 2026, für 2.4.7 im April 2027, siehe die offizielle Adobe-Versions-Übersicht. Ohne Support keine Sicherheits-Patches, und ein Shop-System ohne Sicherheits-Patches ist im produktiven Betrieb ein Risiko, kein Sparmodell. Wer heute auf einer älteren Magento-Version steht, hat in den nächsten Monaten eine Entscheidung zu treffen: Upgrade, Wechsel auf Adobe Commerce oder Replatforming.
Adobe Commerce, die kommerzielle Variante, ist umsatzbasiert lizenziert und bewegt sich nach am Markt kursierenden Angaben im niedrigen bis mittleren fünfstelligen Euro-Bereich pro Jahr, plus Betrieb. Für die allermeisten DACH-Mittelständler ist das eine andere Kosten-Klasse. Was die Migration weg von Magento praktisch bedeutet, welche Daten migrierbar sind und wo die Fallen liegen, steht ausführlich in Magento zu Shopify, Stolpersteine und Pflichten.
Wo die Kosten wirklich sitzen
Abgedeckt
Sichtbar in der Preistabelle
- Monats- oder Jahres-Lizenz, bei Shopify inklusive Hosting und Sicherheit
- Bei Adobe Commerce die umsatzbasierte Jahres-Lizenz
- Diese Zahlen sind vergleichbar und sauber beziffert
Aufmerksamkeit
Versteckt im laufenden Betrieb
- Hosting und Skalierung bei Open Source
- Framework- und Sicherheits-Updates
- Entwickler- oder Agentur-Retainer
- App- und Plugin-Abos, Transaktions-Aufschläge bei externem Payment
- Über fünf Jahre der größte Block
Außerhalb
Nicht eingepreist, bis es passiert
- Ausfall ohne Support-Vertrag
- Notfall-Migration wegen End-of-Life
- DSGVO- oder BFSG-Nacharbeit
- Datenverlust bei einem fehlgeschlagenen Update. Selten, aber teuer ohne Betriebs-Konzept
Die mittlere Spalte ist die, die den Vergleich entscheidet. Bei Shopify ist sie klein, weil Hosting und Sicherheit in der Lizenz stecken; der Aufwand beschränkt sich auf Apps, Konfiguration und gelegentliche Anpassung. Bei Shopware und Magento ist sie groß, weil Betrieb, Updates und Sicherheit Ihre Verantwortung sind oder die Ihrer Agentur. Wer diese Spalte nicht mitrechnet, vergleicht eine Vollkasko-Miete mit einem Rohbau und wundert sich später über die Handwerker-Rechnung.
Der versteckte Posten, Wartung und Sicherheits-Updates
Sicherheits-Updates sind der Posten, an dem sich geschlossene und offene Systeme am deutlichsten unterscheiden. Bei Shopify passiert das im Hintergrund, ohne dass Sie es merken oder bezahlen. Bei Shopware und Magento ist jedes Update ein Vorgang, der geplant, getestet und ausgerollt werden muss, oft in einer Staging-Umgebung, weil ein Update im Zweifel Erweiterungen bricht.
In der Praxis führt das zu zwei Fehlern. Der erste: Updates werden aufgeschoben, weil sie Aufwand machen, und das System läuft auf einer veralteten, verwundbaren Version. Der zweite: Updates werden schnell eingespielt, brechen ein Plugin, und der Shop steht. Beide Fehler kosten Geld, der zweite kostet zusätzlich Umsatz während des Ausfalls. Ein sauber betriebener Open-Source-Shop rechnet deshalb mit einem festen monatlichen Wartungs-Budget, das über fünf Jahre schnell die Summe mehrerer Jahre Shopify-Advanced-Lizenz erreicht. Das ist kein Argument gegen offene Systeme, sondern gegen die Annahme, sie seien kostenlos.
Ein zweiter versteckter Posten ist die Abhängigkeit von einzelnen Personen. Ein Magento- oder Shopware-Shop, der über Jahre gewachsen ist, trägt oft Wissen in sich, das nur ein bestimmter Entwickler oder eine bestimmte Agentur hat. Fällt diese Person aus oder endet die Zusammenarbeit, ist der Ersatz teuer und langsam, weil neue Entwickler sich erst in eine gewachsene Individual-Installation einarbeiten müssen. Bei einem geschlossenen System ist dieses Risiko kleiner, weil die Plattform standardisiert ist und Fachkräfte auf demselben Fundament arbeiten. In der Fünf-Jahres-Rechnung taucht dieses Risiko nirgends als Zahl auf, entscheidet aber im Ernstfall über die Handlungs-Fähigkeit des ganzen Betriebs. Wer TCO seriös rechnet, bepreist auch diese Bindung, nicht nur die Stunden-Sätze.
DACH-spezifische Kostentreiber
Eine Kosten-Rechnung, die in DACH stimmt, muss die Compliance-Last mit einrechnen, und die trifft alle drei Plattformen. Der Unterschied liegt darin, wie viel davon das System mitbringt und wie viel Sie selbst konfigurieren müssen. Steuer-Logik für den Binnenmarkt, korrekte Preisangaben nach PAngV, DSGVO-konforme Datenverarbeitung, die Barrierefreiheit nach dem Barrierefreiheitsstärkungsgesetz auf Basis der EU-Richtlinie 2019/882, E-Rechnung im Geschäftskunden-Verkehr: Das sind reale Aufwands-Posten, unabhängig von der Plattform.
Bei Shopify ist ein Teil davon über Markets, Steuer-Automatik und Theme-Standards abgedeckt, ein anderer Teil bleibt Ihre Aufgabe, besonders bei der Barrierefreiheit. Bei Open-Source-Systemen ist mehr davon Konfigurations- und Entwicklungs-Arbeit. In beiden Fällen gilt: Compliance ist kein einmaliges Projekt, sondern ein Zustand, der bei jeder Gesetzes-Änderung nachgezogen werden muss. Was das für die Barrierefreiheit konkret heißt, steht in BFSG ab 2025, was Shopify-Shops tun müssen. Wer laufende Prüfung statt Einmal-Audit will, findet den passenden Rahmen in unserem Modul Compliance-Care.
Wann welche Plattform trägt
Die nüchterne Zuordnung sieht so aus. Shopify trägt, wenn Standard-Prozesse den Großteil des Geschäfts abdecken, wenn ein kleines Team ohne eigene Entwickler-Abteilung den Shop betreiben soll und wenn niedriger Betriebs-Aufwand mehr wert ist als grenzenlose Anpassbarkeit. Das ist die Situation der meisten DACH-Mittelständler mit einem klaren Sortiment und dem Wunsch, sich um Handel zu kümmern statt um Server.
Shopware trägt, wenn deutsche Anbieter-Nähe, tiefe Anpassbarkeit im eigenen Haus und eine bereits vorhandene Agentur- oder Entwickler-Beziehung zusammenkommen, und wenn das Team den laufenden Betriebs-Aufwand bewusst tragen will. Magento oder Adobe Commerce trägt heute fast nur noch dort, wo eine große, hochindividuelle Installation mit eigenem Entwickler-Team existiert und ein Wechsel kurzfristig teurer wäre als das Weiterbetreiben. Für einen Neustart auf der grünen Wiese ist Magento in DACH selten die erste Wahl.
Wenn Sie unsicher sind, wo Ihr Fall liegt, ist ein strukturierter Selbst-Check der schnellste Weg zu einer belastbaren Ersteinschätzung. Unser Shopify-Eignungs-Check fragt genau die Kriterien ab, die über die Plattform-Wahl entscheiden, ohne Verkaufs-Druck.
Empfehlung
Vergleichen Sie nicht Lizenzen, vergleichen Sie Total Cost of Ownership über fünf Jahre, und rechnen Sie die versteckte mittlere Spalte konsequent mit. Für die meisten DACH-Mittelständler mit begrenztem internen Technik-Team fällt diese Rechnung zugunsten eines geschlossenen Systems aus, weil der eingesparte Betriebs-Aufwand die höhere sichtbare Lizenz mehr als ausgleicht. Für Betriebe mit eigener Entwicklung und dem Willen zur Kontrolle über jede Zeile kann ein offenes System der bessere Weg sein, solange das Wartungs-Budget von Anfang an eingeplant ist.
Wenn Sie Ihren konkreten Fall durchrechnen wollen, statt sich an einer Preistabelle zu orientieren, sprechen Sie mit uns. Wir sortieren die Posten, die in keiner Tabelle stehen, gemeinsam mit Ihnen: Kontakt aufnehmen oder direkt das Modul Setup und Migration ansehen.