Compliance Stand: 20. Juli 2026 4 Min Lesezeit

Werbung mit Umwelt: EmpCo-Regeln ab 27. September 2026 im Shop

Ab 27.09.2026 verschärft die EmpCo-Richtlinie die Regeln für Öko-Aussagen. Was klimaneutral und umweltfreundlich im Produkttext künftig bedeuten und welche Regeln gelten.

Viele Shop-Betreiber verwenden Öko-Formulierungen fast beiläufig: klimaneutral produziert, umweltfreundliche Verpackung, nachhaltig hergestellt. Ab dem 27. September 2026 wird dieser Sprachgebrauch reguliert. Die EmpCo-Richtlinie verbietet pauschale Umweltaussagen ohne belastbaren Nachweis und ordnet die Werbung mit Nachhaltigkeit neu. Für Produkttexte ist das eine der konkreteren Änderungen des Jahres, und sie wird oft mit einer anderen, gestockten EU-Initiative verwechselt.

Was EmpCo ist und ab wann sie gilt

Die Richtlinie (EU) 2024/825, kurz EmpCo für Empowering Consumers, ändert die europäische Richtlinie über unlautere Geschäftspraktiken und die Verbraucherrechte-Richtlinie. Die Mitgliedstaaten mussten sie bis zum 27. März 2026 in nationales Recht umsetzen; angewendet werden die neuen Regeln ab dem 27. September 2026. Deutschland hat sie mit dem Dritten Gesetz zur Änderung des UWG umgesetzt, das am 19. Februar 2026 verkündet wurde und ab dem 27. September 2026 gilt. Geschärft wird vor allem der Irreführungstatbestand in § 5 UWG sowie die Liste stets unzulässiger Geschäftspraktiken, ergänzt um vorvertragliche Informationspflichten.

Der Kern für Shops: Bestimmte Werbeaussagen zur Umwelt gelten künftig als irreführend, wenn sie pauschal bleiben und nicht belegt sind. Das betrifft nicht nur Marketing-Kampagnen, sondern jeden einzelnen Produkttext, jede Kategorie-Beschreibung und jedes Siegel, das Sie auf der Produktseite zeigen.

Nicht zu verwechseln: die gestockte Green-Claims-Richtlinie

Ein Teil der Verunsicherung entsteht, weil zwei EU-Vorhaben oft in einen Topf geworfen werden. EmpCo ist beschlossen und in Umsetzung. Daneben gab es einen separaten Vorschlag für eine eigene Green-Claims-Richtlinie mit strengeren, teils vorab zu prüfenden Nachweis-Pflichten. Dieses zweite Vorhaben ist im EU-Verfahren ins Stocken geraten und ist nicht mit EmpCo identisch.

Praktisch heißt das: Verlassen Sie sich für Ihre Planung auf die Regeln, die tatsächlich gelten, also EmpCo ab September 2026. Alles, was Sie über eine verpflichtende Vorab-Zertifizierung jeder einzelnen Umweltaussage lesen, gehört zum gestockten zweiten Vorhaben und ist derzeit keine geltende Pflicht. Wer diese Trennung sauber zieht, spart sich sowohl unnötige Panik als auch das Übersehen dessen, was wirklich kommt.

Was künftig als irreführend gilt

Die praktisch wichtigste Neuerung: Allgemeine Umweltaussagen ohne anerkannten Nachweis der ausgelobten hervorragenden Umweltleistung werden unzulässig. Formulierungen wie umweltfreundlich, öko oder grün, wenn sie pauschal und ohne Beleg im Text stehen, fallen darunter. Ebenfalls betroffen sind Nachhaltigkeits-Siegel, die nicht auf einem anerkannten Zertifizierungssystem beruhen oder nicht von einer Behörde stammen.

Besonders im Blick steht die Werbung mit Klimaneutralität auf Basis von Kompensation. Aussagen, die den Eindruck erwecken, ein Produkt sei in seiner Herstellung klimaneutral, obwohl der Effekt nur auf dem Zukauf von Ausgleichs-Zertifikaten beruht, sind ein zentraler Angriffspunkt der Richtlinie. Wer solche Claims führt, sollte prüfen, ob sie dem neuen Maßstab standhalten.

Wo das im Shopify-Shop konkret sitzt

Für die Umsetzung müssen Sie kein Feature bauen, sondern Ihre Texte durchgehen. Die typischen Fundstellen: Produktbeschreibungen mit Öko-Adjektiven, Nachhaltigkeits-Abschnitte auf der Startseite, Trust-Badges und Siegel im Produktbereich, Verpackungs-Hinweise im Warenkorb. Sammeln Sie diese Aussagen und prüfen Sie je Aussage, ob ein belastbarer Nachweis existiert oder ob die Formulierung pauschal bleibt.

Der Punkt trifft KI-gestützte Produkttexte doppelt. Wer Beschreibungen mit KI erzeugt, bekommt oft genau die gefälligen Öko-Phrasen geliefert, die künftig problematisch sind, weil das Modell den werblichen Ton nachahmt. Wie Sie KI-Texte auf deutsches Register und auf Substanz statt Floskel bringen, haben wir in KI-Produkttexte auf Deutsch beschrieben. Die EmpCo-Prüfung ist ein weiterer Grund, KI-Ausgaben nicht ungeprüft zu übernehmen.

Was jetzt sinnvoll ist

Bis zum 27. September 2026 bleiben gut zwei Monate. Das reicht für einen strukturierten Durchgang durch die eigenen Umwelt-Aussagen, nicht für Aktionismus. Die nüchterne Reihenfolge: Aussagen inventarisieren, pauschale Claims identifizieren, entweder belegen oder umschreiben, Siegel auf anerkannte Grundlage prüfen. Wer ohnehin mit belegbaren, konkreten Aussagen arbeitet, hat wenig zu tun. Wer stark mit pauschalen Öko-Labels wirbt, hat den größten Anpassungsbedarf.

Wenn Sie Ihre Produkttexte und Siegel auf die neuen Anforderungen durchsehen lassen wollen, ordnen wir das als Formal-Check im Rahmen unserer Compliance-Care ein, ohne juristische Einzelfall-Bewertung. Schildern Sie uns über das Kontaktformular, wie stark Sie mit Umwelt-Aussagen arbeiten, dann sagen wir Ihnen, wie groß Ihr Durchgang realistisch ausfällt.

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